Oldtimerin fährt Oldtimer

Andreas Normann mit Marianne Ernst

Oldtimerin fährt Oldtimer
Andreas Normann lud die einstige LKW-Fahrerin Marianne Ernst zu einem Ausflug per Lastwagen ein

-pli- Bendorf. Dass jemand mit einem LKW vom Seniorenzentrum "Eckert-Stift" (Neuwied) abgeholt wird, geschieht dort gewiss auch nicht alle Tage. Am vergangenen Sonntag staunten daher einige Bewohner der Einrichtung nicht schlecht, als der Bendorfer Spediteur Andreas Normann mit einem 20-Tonner-Mercedes, Baujahr 1964, vorfuhr und im Rückwärtsgang bis vor den Haupteingang setzte. Ein Umzug am Sonntag? Das konnte nicht sein, denn es handelte sich um einen Sattelzug-Oldie - allerdings ohne Aufleger.
An der Haustür wartete schon die Bendorferin Marianne Ernst, "Baujahr 1928", ganz aufgeregt sei sie schon, wie sie betonte. Eine Ausflugsfahrt als Geburtstagsgeschenk, für die meisten Menschen wäre das wohl eine eher merkwürdige Gabe; nicht aber für Marianne Ernst. Sie hatte im Alter von 24 Jahren ihren PKW-Führerschein erworben, zwei Jahre später den der Klasse 2. Und so besteigt sie voller Erwartung auf eine "kleine Spritztour" das Führerhaus des großen Lastwagens.
LKW-Fahrerinnen sind noch heute nur eine kleine Minderheit, damals aber waren sie schlichtweg eine kleine Sensation. Vor dem Erwerb dieses Führerscheins musste Marianne Ernst bei der ehemaligen Bezirksregierung in Koblenz sogar eine Sondergenehmigung beantragen.
Die heute 85-Jährige stammte allerdings aus dem Fach. Ihr Vater Theodor Ernst sen. besaß in Bendorf ein Fuhrgeschäft, wie man die Speditionen früher nannte. Zunächst mit Pferdekutschen, woran sich Marianne Ernst noch gut erinnert. Nicht selten hatte sie mit ihrem Vater auf dem Kutschbock gesessen - zunächst neben ihm, später auch alleine. Und als die Pferde endgültig ausgespannt und die "motorisierten Kutschen" angeschafft wurden, meinte ihr Vater: "Wer Pferde lenken kann, der kann auch Fahrzeuge steuern".
Marianne Ernst konnte es tatsächlich bald. Der erste ihr anvertraute Transporter war ein 3 1/2-Tonner-Mercedes, dem bald ein "Henschel" folgte, mit dem sie 8 1/2 Tonnen Material zuladen konnte. Kies, Bims und Sand waren das in der Regel. In sämtlichen Kies- oder Bimsgruben und Sandkaulen im Umkreis von 50 Kilometern war sie fortan zu Hause. Und sie musste sich in der Branche unter harten Wettbewerbsbedingungen ihren Platz und ihre Anerkennung erst noch erobern; war sie als Frau von zudem eher bescheidener Körpergröße eine absolute Ausnahmeerscheinung in der Brummifahrer-Szene.
Doch das gelang ihr während ihrer über zehnjährigen Tätigkeit ohne weiteres. "Die Fahrerkollegen waren fast alle ausgesprochen nette Leute, die sich gegenseitig halfen, natürlich auch mir, wenn es Probleme gab", erzählt die überaus rüstige Seniorin. Inzwischen hat Andreas Normann das Fahrzeug aus Neuwied herausgesteuert und fährt in Richtung Anhausen weiter. Auf einem abgelegenen und längst außer Betrieb gesetzten Firmengelände, ohne Verkehr, aber mit viel Platz, heißt es dann "Fahrerwechsel".
Obwohl sie es kaum glauben kann, nimmt Frau Ernst mutig und entschlossen auf dem Fahrersitz Platz. "Oldtimerin fährt Oldtimer", jubelt sie beinahe ausgelassen, als sie den betagten Brummi vorsichtig in Bewegung setzt. "Na, es klappt doch noch bestens", freut sich Andreas Normann. "Es ist wie früher", sagte Marianne Ernst. "Wenn ich mit meinem Täschchen in der Hand die Garage aufschloss, meinen Lastwagen herausholte und auf Tour ging, gehörte mir die ganze Welt".
Nie werde sie zum Beispiel das Gesicht eines Brummifahrers vergessen, hinter dem sie einmal über eine längere Strecke hinterher gefahren war. "Als der mich dann beim Aussteigen sah, rief er: "Verdammt, da habe ich mich doch tatsächlich von einem Weib jagen lassen!"
Noch etlichen hundert Metern Fahrt überlässt sie dann glücklich lächelnd Andreas Normann wieder das Steuer. Zurück auf der öffentlichen Straße geht es über Rüscheid, Marienhausen, Dierdorf, und Kleinmaischeid ins kurvenreiche Saynbachtal hinunter.
Alle Fahrgeräusche - Zwischengas, Motorbremse und so weiter - sind ihr noch bestens vertraut und deren Laustärke machen ihr nichts aus. "Das war ein unvergesslicher Ausflug", sagt sie beim Aussteigen. Unvergesslich auch für ihren Neffen Thomas, den das unbequeme Los getroffen hatte, in der Koje liegend die Fahrt mitzumachen und ordentlich durchgeschüttelt zu werden. "Macht nichts" sagt er sich reckend und streckend. "Schön war es doch".
Auch Andreas Norman freut sich, der alten Dame einen Wunschtraum erfüllt zu haben, einfach so, weil es ihm Spaß machte.

Artikel: Kleeblatt KW 24/13

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